Die Standarte

Die Auswahl der Motive auf der Standarte hängt wohl mit der Ausstattung der Stephanskapelle zusammen: Auf den Holztafelbildern des Altars aus dem frühen Barock (um 1700) ist oben das Martyrium des Stephanus – seine Steinigung – zu sehen und unten, unter einem Bild der Madonna mit Kind, der heilige Eligius mit dem Beschlagwunder.

Die Jahreszahl 1929 auf der Standarte ist das Jahr ihrer Anschaffung. Der Verein kaufte sie damals für 375 Reichsmark in Weißensee, ließ sie segnen und trägt sie bis heute beim Stephansritt stolz voran.

Reiter mit Fahnen und Standarte beim Stephansritt 1932
  1. Vorderseite der Standarte: der heilige Stephanus im roten Diakonengewand vor der Stephanskapelle, darunter „Stephansreiter Eisenharz 1929“
    Vorderseite

    Der heilige Stephanus und die Stephanskapelle

    Der heilige Stephanus wurde um Christi Geburt in Jerusalem geboren und starb um 40 n. Chr. Er war ein hervorragender Prediger und gehörte zu den sieben Diakonen, die von den Aposteln durch Handauflegen geweiht wurden, um die Jünger Jesu zu entlasten. Stephanus ist der Erste, von dem überliefert ist, dass er wegen seines Bekenntnisses zu Jesus Christus getötet wurde – deshalb wird er Erzmärtyrer genannt.

    Dargestellt wird er fast immer als jugendlicher Diakon, mit Palme, Evangelienbuch, Steinen oder den Sakralgegenständen eines Diakons. Auf unserer Standarte kniet er im roten Diakonengewand mit erhobenen Armen vor der Stephanskapelle.

    Stephanus ist Patron der Pferde, der Pferdeknechte und Kutscher sowie der Steinhauer; angerufen wird er gegen Kopfschmerzen und für einen guten Tod. Früher wechselten die Pferdeknechte und Kutscher am Stephanstag, dem 26. Dezember, ihren Arbeitgeber.

  2. Rückseite der Standarte: der heilige Eligius beschlägt in der Schmiede ein Pferdebein, daneben das Pferd und ein staunender Knecht
    Rückseite

    Der heilige Eligius und das Beschlagwunder

    Der heilige Eligius lebte von 589 bis zum 1. Dezember 660. Er war zunächst ein ausgezeichneter Hufschmied, dann ein hoch angesehener Goldschmied und wurde später Bischof von Noyon in Frankreich.

    Berühmt ist die Legende vom Beschlagwunder: Eligius heilte ein von einem Dämon besessenes Pferd, indem er ihm das Bein abnahm, ein Hufeisen anbrachte und das Bein wieder ansetzte. Genau diese Szene zeigt die Rückseite unserer Standarte. Dargestellt wird Eligius immer entweder als Schmied, der das Beschlagwunder vollbringt, oder als Bischof mit Buch und Pferdefuß, Hammer und Amboss oder Hufeisen.

    Eligius ist Patron der Schmiede, Hufschmiede, Schlosser, Tierärzte, Knechte und Fuhrleute – und damit Schutzpatron der Pferde und all jener, die mit ihnen arbeiten.

Eligius in Oberschwaben

In Wangen wurde Eligius besonders verehrt, denn hier galten die Schmiede als hervorragende Zunft – daher auch die Schmiedstraße. Im Museum an der Eselsmühle ist eine spätgotische Holzplastik des heiligen Eligius zu sehen, und in der Stadtmauer zwischen Hägeschmiede und Weberzunfthaus ist eine etwa 60 cm große Eligius-Skulptur eingelassen. In der Spitalkirche steht der Eligiusaltar der Wangener Schmiedezunft (rechter Seitenaltar).

Auch in der näheren Umgebung sind viele Kapellen mit Gemälden oder Altarbildern des Beschlagwunders ausgestattet, zum Beispiel in Liezenhofen, Matzenweiler bei Kißlegg, Herfatz bei Wangen, Genhofen – und in der Stephanskapelle Eisenharz. Früher soll es laut mündlicher Überlieferung in ganz Oberschwaben keine Schmiede gegeben haben, über der nicht Eligius mit dem abgenommenen Pferdefuß als Steinfigur zu sehen war – etwa das Wandbild mit dem Beschlagwunder über dem Eingang des ehemaligen Marstalls des Klosters Weißenau.

Die Standarte live erleben

Beim nächsten Stephansritt am Samstag, 26. Dezember 2026 tragen die Vorreiter die Standarte wieder an der Spitze des Zuges – von der Kirche St. Benedikt bis zur Stephanskapelle. Kommen Sie vorbei!